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Zwei Wochen im Dehcho

Das Wiederaufbau-Team vor einem Pick-up im Schnee
Das Wiederaufbau-Team: Dominik, Gil, Matteo, Oliver, Kyle, Marco

Vom 7. bis 22. März 2023 ging es von Montréal über Yellowknife und Fort Simpson an die Scotty Creek Research Station in den Nordwest-Territorien. Anlass war der Wiederaufbau eines Messturms, den ein Waldbrand im Oktober 2022 zerstört hatte. Möglich wurde die Reise durch das AtmosBios-Lab der Université de Montréal.

Für die Graphic Novel war das der eigentliche Anfang. Bis dahin bestand das Projekt aus Telefonaten, Studien und Grundlagenrecherche. Vor Ort ging es darum, die Menschen kennenzulernen, über die das Buch erzählt — und zu begreifen, welcher logistische Kraftakt hinter Feldforschung in entlegenen Gegenden steckt. Vieles davon lässt sich nicht lesen, man muss es einmal getragen haben.

Warum überhaupt

Die Scotty Creek Research Station ist Kanadas erste indigen geführte Forschungsstation. Kurz nach der Übergabe an die Łı́ı́dlı̨ı̨ Kų́ę́ First Nation brannte es. Zerstört wurde unter anderem der Messturm, an dem Oliver Sonnentag seit über zehn Jahren den Gasaustausch zwischen Boden, Wald und Atmosphäre aufgezeichnet hatte — Daten, die es in dieser Länge für eine bewaldete Permafrostfläche kaum ein zweites Mal gibt.

Für einen Wiederaufbau blieb ein enges Zeitfenster: solange der Boden gefroren ist. Mit der Schneeschmelze wird das Land weich und praktisch unpassierbar.

Verbrannter Boden an der Forschungsstation Ausgebrannter Geräteschuppen

Die Station nach dem Waldbrand vom Oktober 2022. Fotos: Dieter Cazon

Montréal, Yellowknife, Fort Simpson

Los ging es in Montréal, wo Oliver an der Université de Montréal forscht. Von dort in den Norden: Yellowknife, dann Fort Simpson — Liidlii Kue, „wo die Flüsse zusammenkommen“.

Ausrüstung auf der Ladefläche eines Pick-ups Kleinflugzeug auf einem verschneiten Rollfeld

In Yellowknife gab es ein Interview mit Cabin Radio über das Comic-Projekt und den Wiederaufbau. Der Artikel schaffte es später bis in einen Newsletter des NASA-Programms ABoVE.

Interviewsituation, ein Aquarell wird in die Kamera gehalten
Interview mit Cabin Radio in Yellowknife, März 2023. Foto: Liny Lamberink

In Fort Simpson traf die Crew Dieter Cazon, den Land Resources Manager der Liidlii Kue First Nation — und das beim Beaver Tail Jamboree, dem jährlichen Frühjahrsfest mit Schneemobilrennen am Janor House. Neben den letzten Absprachen zum Wiederaufbau ging es dabei auch um die Dekolonisierung der Forschung: wer auf diesem Land forscht, wer fragt, wer entscheidet.

Aquarellskizze aus Fort Simpson Aquarellporträt aus Fort Simpson

Skizzen aus Fort Simpson, Nordwest-Territorien, 2023

An der Station

Die Station selbst besteht im Winter aus Zelten: ein Hauptzelt als Küche, Büro und Aufenthaltsraum, daneben Schlafzelte. Strom kommt von Solarpaneelen und einem Generator, Wasser aus Eimern. Wer hier arbeitet, arbeitet mit Handschuhen.

Hauptzelt der Scotty Creek Research Station im Schnee Schlafzelte im Schnee
Das Team sitzt im Hauptzelt
Abends im Hauptzelt

Vom Brand war überall etwas zu finden. Am eindrücklichsten die Reste der Propanflaschen, die in der Hitze explodiert sind — Marco fand ein Stück davon, das aussieht wie ein aufgerissenes Blatt.

Ein Mann hält ein aufgerissenes Metallstück in beiden Händen
Marco mit dem Stück einer explodierten Propanflasche

Der Turm

Der Wiederaufbau selbst ist Handarbeit: Segmente stecken, ausrichten, verspannen, Instrumente montieren und kalibrieren. Alles bei Temperaturen, bei denen Akkus schnell leer und Finger schnell klamm sind.

Person klettert am Gerüst des Messturms Arbeit an Laptops im Zelt
Der wiederaufgebaute Messturm im verbrannten Wald
Der Turm steht wieder — im Vordergrund die Brandfläche vom Oktober 2022

Von oben sieht man, was der Brand gemacht hat: ein Mosaik. Nicht alles ist verbrannt, und was verbrannt ist, ist unterschiedlich stark verbrannt. Waldbrände im Norden Kanadas gehören zum Ökosystem. Es sind keine kalifornischen Feuerwalzen, eher Schwelbrände. Das Problem ist nicht das Feuer an sich, sondern die dünne Infrastruktur in der Abgeschiedenheit — und dass Häufigkeit und Intensität zunehmen.

Person im verbrannten Wald Schneemobil in der Dämmerung

Was mitkam

Zurück kamen ein volles Skizzenbuch, Interviews und ein deutlich klareres Bild davon, worum es in diesem Buch geht. Aus den Studien wurden Charakterentwürfe, aus den Gesprächen ein Skript.

Charakterstudien, mehrere Kopfzeichnungen Aquarellskizze der Crew Aquarellporträt Aquarellskizze aus Montréal Aquarellskizze am Flughafen Yellowknife

Bei den indigenen Themen begleiten mich seither Dieter Cazon und der Filmemacher Jonathan Antoine von der Liidlii Kue First Nation sowie Hannah Currie (Inuit-Métis). Ohne diesen laufenden Austausch ginge das Buch nicht — Indigene sollen darin zeitgenössisch und auf Augenhöhe vorkommen, nicht romantisiert.

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