Fire on the Land
Der Wissenschaftler Oliver Sonnentag verlor 2022 durch einen Waldbrand seinen Messturm an der Scotty-Creek-Forschungsstation — Kanadas erster indigen geführter Forschungsstation. Die Graphic Novel begleitet den Wiederaufbau vor der Schneeschmelze, mit Dieter Cazon von der Liidlii Kue First Nation als Begleiter und Ko-Autor.
Character Studies · 170/180 Skriptseiten (v.2) · 70 Storyboard-Seiten
Team
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Oliver SonnentagWissenschaftlicher Berater, Protagonist -
Dominik HeiligIllustrator -
Dieter CazonTraditioneller Wissenshüter, Liidlii Kue First Nation
Leseprobe — Kapitel 01
Von der Forschungsreise, 2023
In der Presse
- Cabin RadioÜber den Einstieg ins Wiederaufbau-Team
- CBC NorthDas Wer, Wie und Warum des Turm-Wiederaufbaus
- CBC North RadioInterview zum Comic-Projekt
- NASA ABoVEErwähnt im ABoVE-Monatsbrief
AS Dehcho
Ein handgezeichneter Comic-Display-Font für dieses Projekt — trägt sowohl die Dene-Orthografie der Dehcho-Region als auch Sprechblasen-Lettering in einer Familie. Aktuell nicht in aktiver Arbeit, aber schon nutzbar.
Der Wert einer Sukzession ist keine Eigenschaft der Pflanze — sondern der Fläche.
Reale Post-Fire-Flächen, an denen die Fragen aus Fire on the Land an echten Daten geprüft werden — angefangen mit Jüterbog, Brandenburg.
Die Größenordnungen unterscheiden sich drastisch: Jüterbog 2019 rund 800 Hektar, allein die Northwest Territories 2023 über 4 Millionen — das 5.000-Fache. Vergleichbar ist die Fläche nicht, wohl aber die Fragestellung.
Erholung in einem Bild
Ein offenes Werkzeug, das eine Waldbrandfläche danach lesbar macht, welche Wiederbewaldung dort klimaangepasst, wirtschaftlich zukunftsfähig und kohlenstoffwirksam sein kann. Los geht's mit der Erholung selbst: drei Jahre nach dem Brand auf Rot · Grün · Blau gelegt — grau = unverändert, Farbe = zeitversetztes Ergrünen.
- Grau — unverändert / unverbrannt
- Warm — frühe Erholung
- Grün — mittlere Erholung
- Kühl — späte Erholung
Ergrünen heißt hier nicht automatisch Wald: Der NBR-Index unterscheidet nicht zwischen Gras und Baum, und auf diesen Sanden gehören die ersten Farbjahre vor allem der Gras- und Krautschicht — Silbergras, Drahtschmiele, erst dann Birke und Aspe. Welche Gehölze wirklich kommen, zeigen die Szenarien und Arten.
Was misst dieses Bild eigentlich? NBR kurz erklärt
Kiefern-Kulturwald oder Neophyten?
Zwei neue Ökosysteme im Vergleich
Brandenburgs Kiefernwälder sind selbst eine menschengemachte Kultur: nach Übernutzung im 19. Jahrhundert auf kargem Sand angepflanzt, weil dort kaum etwas anderes wuchs. Genau diese Monokultur brennt heute leicht — wie 2019 bei Jüterbog oder 2018 und erneut 2022 bei Treuenbrietzen. Auf den Brandflächen etabliert sich oft ein zweites, ebenso neues Ökosystem schneller: Neophyten wie die Robinie. Im Klimawandel stehen beide unter Druck — und die Scorecard unten vergleicht sie ehrlich: kein Sieger-Loblied, sondern ein Raster, auf dem jede Seite Achsen gewinnt und verliert.
Die Achse Biodiversität kippt je nach Fläche — der Angelpunkt, den das Werkzeug sichtbar macht.
Nicht wiederherstellen — weiterdenken
Wiederherstellung fragt, wie wir zurückbekommen, was vorher da war — auf einer Fläche, deren Vorzustand ein brandanfälliger Kiefernacker war, die falsche Frage. Die Zahlen zeigen das deutlich: Für die Kiefer stützt sich die Ertragstafel auf rund 1.500 Probeflächen, für die Sand-Birke auf 192, für die nach dem Brand tatsächlich dominierende Zitterpappel auf keine einzige — die Forstwissenschaft hat 250 Jahre lang vermessen, was gepflanzt wurde, nicht, was von selbst kam. Das gilt für den gewöhnlichen Wirtschaftswald; auf Schutzflächen wie dieser hier ist Aufwuchs nicht Ertrag, sondern Verlust.
Wertekanon
- Vorurteilsfrei. Bewertet wird Funktion, nicht Herkunft.
- Kontext vor Dogma. Derselbe Baum ist Retter oder Verdränger — je nach Fläche.
- Ehrlich über Grenzen. Permanenz, Homogenisierung, schwächster Datenpunkt offen.
- Bewerten, nicht entscheiden. Das Werkzeug zeigt den Zielkonflikt; entscheiden Mensch und Fläche.
Drei Wege nach dem Brand
Wie sich Jüterbogs Brandfläche je nach Strategie erholen könnte — vorbereitete Szenarien, keine Live-Simulation.
Gemessen wird gegen den unverbrannten Kiefernforst nebenan: 80 % Kronendeckung, rund 20 m Höhe. Beides muss stimmen — hohe Einzelbäume ohne Deckung sind kein Wald, dichter Niederwuchs ohne Höhe auch nicht.
Was die drei Wege bedeuten
Was dieser Chart nicht zeigt: Kohlenstoff-Erholung
Der Rahmen dahinter: Resist · Accept · Direct
Szenarien vergleichen
Wie die Panels zu lesen sind
Kohlenstoff
Was der Chart oben nicht zeigt, lässt sich wenigstens einordnen. PYROPHOB hat drei Jahre nach dem Brand die Gehölz-Biomasse gemessen, ober- und unterirdisch: an den stärksten Flächen 2.765 kg/ha Aspe, an der Jüterboger Fläche U dagegen 3 kg/ha. Sand-Birke kam auf höchstens 138 kg/ha, Kiefer auf 36.
Umgerechnet mit einem Kohlenstoffanteil von 50 % der Trockenmasse. Selbst im günstigsten Fall steht drei Jahre nach dem Brand also unter zwei Prozent dessen, was ein gewachsener Kiefernbestand bindet — in Jüterbog an Standort U praktisch nichts. Das beziffert den Verlust, nicht die Wirksamkeit der drei Strategien: Welcher Weg am schnellsten wieder Kohlenstoff aufbaut, ließe sich erst mit Ertragstafeln oder einer Wuchssimulation sagen. Und Speicher ist nur, was stehen bleibt — was der nächste Brand nimmt, war Zwischenlager.
Was der Kohlenstoff nicht zeigt: die Albedo
Quellen
Bis Jahr 3–4 aus den PYROPHOB-Messungen in Jüterbog, danach modelliert (Höhen nach den Ertragstafeln für Sand-Birke und Kiefer). Keine Live-Simulation. Die tatsächliche Entwicklung hängt von Samenbäumen, Wild, Witterung und Wiederholungsbränden ab. Zwei Annahmen sollte man kennen: Alle drei Kurven rechnen ohne zweiten Brand innerhalb der 30 Jahre — Treuenbrietzen brannte nach vier Jahren erneut, und gerade dichte junge Kiefernbestände gelten als vollfeuerfähig (s. Scorecard). Und die Messbasis 2019–2024 fällt komplett in die Ausnahme-Trockenjahre: Die Kurven sind eher ein Trocken-Szenario als ein Mittelwert.
Maßnahmen
Struktur, nicht Art, ist die billigste Maßnahme: Wind bremsen, Schatten und Tau schaffen, Samen fangen — und weil Stein und Totholz nicht brennen, ist es reburn-resilient.
Prinzip: Wind Schatten Tau Streu Feuer Kohlenstoff
Arten
Stresstolerante Pionierarten für Sand, Trockenheit und die Zeit nach dem Brand.
Die Ankerfläche ist Naturschutz- und FFH-Gebiet mit geschützten nährstoffarmen Lebensraumtypen. Das Ausbringen gebietsfremder Arten ist dort nach § 40 BNatSchG genehmigungspflichtig — und die Genehmigung ist zu versagen, wenn eine Gefährdung nicht auszuschließen ist. Das Bundesamt für Naturschutz rät für Naturschutz- und FFH-Gebiete generell davon ab. Der Generator schlägt hier deshalb nur einheimische Arten vor.
Illustrative Platzierung im verbrannten Kern der Fläche — keine realen Standortdaten.
Können Neophyten Teil der Klimaanpassung sein?
Die Robinie liefert das dauerhafteste Holz Europas, wurzelt tief, erträgt Hitze und Trockenheit und fixiert Stickstoff — als Anpassungskandidat auf armem Sand ist sie ernstzunehmen. Belegt ist das hier aber nicht. Die zugrunde liegenden Messungen vergleichen Behandlungsverfahren — räumen, pflügen, pflanzen, nichts tun — und nicht Herkünfte. Kein einziger Messwert dieser Flächen testet, ob gebietsfremde Arten die bessere Klimaanpassung liefern.
Dagegen steht: Auf nährstoffarmen Schutzflächen ist genau die Stickstofffixierung das Problem, weil sie den Lebensraum beseitigt, der geschützt werden soll. Und die anerkannte Route der forstlichen Klimaanpassung führt nicht über fremde Arten, sondern über die Herkunftswahl innerhalb heimischer Arten — trockenheitserprobte Provenienzen etwa von Traubeneiche oder Kiefer.
Ein Punkt spricht dafür, ausgerechnet die Robinie zu prüfen: Sie ist die einzige der Kandidatinnen, für die eine Ertragstafel für Brandenburg existiert — Lockow & Lockow (2015), ausdrücklich bis zur Nährkraftstufe „ziemlich arm", mit Kulmination des Zuwachses um das 35. Jahr. Ihr Ertrag wäre also prüfbar, während er für die spontan dominierende Zitterpappel mangels Datengrundlage gar nicht berechenbar ist.
Prüfbar wäre die These auf einer Fläche ohne Schutzstatus, mit Robinie gegen heimische Vergleichsvariante, über mindestens zehn Jahre. Diesen Versuch gibt es nach derzeitigem Stand nicht.
Alle Arten
Die Kohlenstoff-Einstufung ist qualitativ — Wuchsform, Holzdichte, Lebensdauer —, keine gemessenen Tonnen pro Hektar. Und Speicher ist nur, was stehen bleibt: Was der nächste Brand nimmt, war Zwischenlager (s. Scorecard).
Zahlen zur Naturverjüngung aus: PYROPHOB — Pyrophobe Wälder, Eberswalder Forstliche Schriftenreihe Bd. 77 (LFE Brandenburg, 2024). Standortangaben nach NSG-Verordnung Forst Zinna–Jüterbog–Keilberg und FloraWeb.